Antwort auf den Leitartikel: Präsentation der weißen Kepis
Mein lieber Veteran,
ich habe Ihre Worte mit Respekt gelesen … und mit einer Rührung, die nur jene wirklich verstehen können, die die weiße Kepi getragen haben.
Sie haben nicht einfach nur eine Zeremonie geschildert.
Sie haben einen Geist eingefangen.
In Ihrer Nacht in Bonifacio, in dieser anhaltenden Stille, in diesem Lied, das im perfekten Schritt endet, ist alles da: die Präzision, die Zurückhaltung, die Ernsthaftigkeit.
Diese stille Stärke, die sich nie zeigen musste, um zu existieren.
Ich teile Ihre Gedanken voll und ganz.
Man sagt, wir verkörpern die Ruhe der Veteranentruppen.
Und diese Ruhe ist weder Schwäche noch Nostalgie – sie ist Meisterschaft.
Meisterschaft der Geste, der Stimme, der Emotion.
Meisterschaft jenes einzigartigen Augenblicks, in dem ein Mann Legionär wird, nicht unter den Blicken anderer, sondern unter seinen eigenen.
Sie haben Recht: Ein Ritus ist nichts, was man zur Schau stellt.
Es ist etwas, das weitergegeben werden muss.
Wenn es die Intimität des Körpers verlässt und zur Zurschaustellung wird, verschiebt sich etwas, anfangs fast unmerklich … dann unwiderruflich.
Was einst eine herzliche Begegnung war, wird zur Zurschaustellung.
Was einst eine Ehrensache war, gleitet zur Performance ab.
Und dann – ja – entsteht ein Unbehagen.
Keine Wunde, aber bereits ein Schmerz.
Denn die Legion hat immer das Wesentliche geschützt:
die Anonymität des Legionärs, die Bescheidenheit seines Engagements, die stille Würde ihrer Riten.
Schreien, wo man sprach, Zeigen, wo man Wissen weitergab, Ausstellen, wo man willkommen hieß …
das ist nicht einfach eine Weiterentwicklung.
Es ist ein Wandel der Natur.
Deine Sichtweise ist richtig, weil sie wahrheitsgetreu ist.
Wahrheitsgetreu dem, was du erlebt hast.
Wahrheitsgetreu dem, was wir empfangen haben, auch wenn wir es nicht immer benennen können.
Und vor allem wahrheitsgetreu dem, was wir zu bewahren haben.
Es geht nicht darum, den Lauf der Zeit zu leugnen.
Es geht darum, dem Zeitgeist nicht nachzugeben, wenn er uns vom Wesentlichen ablenkt.
Danke, lieber Kamerad, für Ihren Mut und Ihre Integrität, das auszusprechen, was viele fühlen, aber nicht immer zu sagen wagen.
In freundschaftlicher Verbundenheit mit der Legion.
Hauptmann a. D. Jean-Marie Dieuze
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