Lili Marlène, eine Geschichte aus der Geschichte.
Von Louis Perez y Cid
Eines Abends im Jahr 1915, in einer Welt, die gerade in den Ersten Weltkrieg gestürzt war, bereitete sich ein junger deutscher Soldat namens Hans Leip* darauf vor, die Stadt zu verlassen und an die Front zu gehen.
Er war Dichter und hatte sich aus Pflichtgefühl freiwillig gemeldet.
Langsam ging er mit schwerem Herzen zum Ausgang der Kaserne.
Unter einer Laterne an einer Straßenecke wartete eine junge Frau auf ihn.
Das Licht umgab sie wie ein zitternder Heiligenschein, wie ein Versprechen.
Sie verabschiedeten sich schlicht, ohne zu wissen, ob sie sich jemals wiedersehen würden.
An diesem Abend prägte sich Hans dieses Bild tief ins Herz ein.
Aus dieser Empfindung entstand das Gedicht „Lied eines jungen Wachpostens“. Ein paar Zeilen über einen Soldaten im Dienst, der unter der Laterne an seine Geliebte denkt. Er gibt ihm einen Namen: Lili Marleen, eine Mischung aus zwei Vornamen, zwei Erinnerungen, zwei Frauen, die ihm wichtig waren. Doch aus Aberglauben schreibt er die letzte Strophe nicht. Das Schicksal wird sie bestimmen.
Dann fegt der Krieg alles hinweg. Neun Millionen Tote und Vermisste. Einundzwanzig Millionen Verwundete. Und als ob das nicht genug wäre, fordert die Spanische Grippe weitere vierzig Millionen Menschenleben, fünf Prozent der Menschheit.
Das Gedicht jedoch bleibt in einer Schublade, vergessen wie ein Seelengeheimnis.
Die Jahre vergehen.
Die Weimarer Republik bricht an, die Goldenen Zwanziger, die Cabarets, die Fieberhaftigkeit des wiederentdeckten Lebens. Hans Leip hat die Apokalypse überlebt. Er schreibt Lieder, Gedichte, Träume. Doch die Narben des Krieges heilen nie wirklich.
Und schon droht die Welt von Neuem zu beginnen.
Eines Abends im Jahr 1915, in einer Welt, die gerade in den Ersten Weltkrieg gestürzt war, bereitete sich ein junger deutscher Soldat namens Hans Leip* darauf vor, die Stadt zu verlassen und an die Front zu gehen.
Er war Dichter und hatte sich aus Pflichtgefühl freiwillig gemeldet.
Langsam ging er mit schwerem Herzen zum Ausgang der Kaserne.
Unter einer Laterne an einer Straßenecke wartete eine junge Frau auf ihn.
Das Licht umgab sie wie ein zitternder Heiligenschein, wie ein Versprechen.
Sie verabschiedeten sich schlicht, ohne zu wissen, ob sie sich jemals wiedersehen würden.
An diesem Abend prägte sich Hans dieses Bild tief ins Herz ein.
Aus dieser Empfindung entstand das Gedicht „Lied eines jungen Wachpostens“. Ein paar Zeilen über einen Soldaten im Dienst, der unter der Laterne an seine Geliebte denkt. Er gibt ihm einen Namen: Lili Marleen, eine Mischung aus zwei Vornamen, zwei Erinnerungen, zwei Frauen, die ihm wichtig waren. Doch aus Aberglauben schreibt er die letzte Strophe nicht. Das Schicksal wird sie bestimmen.
Dann fegt der Krieg alles hinweg. Neun Millionen Tote und Vermisste. Einundzwanzig Millionen Verwundete. Und als ob das nicht genug wäre, fordert die Spanische Grippe weitere vierzig Millionen Menschenleben, fünf Prozent der Menschheit.
Das Gedicht jedoch bleibt in einer Schublade, vergessen wie ein Seelengeheimnis.
Die Jahre vergehen.
Die Weimarer Republik bricht an, die Goldenen Zwanziger, die Cabarets, die Fieberhaftigkeit des wiederentdeckten Lebens. Hans Leip hat die Apokalypse überlebt. Er schreibt Lieder, Gedichte, Träume. Doch die Narben des Krieges heilen nie wirklich.
Und schon droht die Welt von Neuem zu beginnen.
1937, bevor der Donner erneut grollte, schrieb Hans endlich die letzte Strophe seines Gedichts. Im darauffolgenden Jahr bot ihm der Musiker Norbert Schultze eine schlichte Melodie an, einen langsamen Marsch, wie ein Herzschlag.
Die Berliner Sängerin Lale Andersen sang das Lied mit einer Stimme, die gerade so viel zitterte, dass sie authentisch wirkte. Sie sang für die Abwesenden, für getrennte Liebende, für jene, die in der Nacht auf das Licht warteten. Doch 1938 wollte Deutschland keine Zärtlichkeit mehr. Es wollte stolz, hart, unbesiegbar sein. Dieses Liebeslied wirkte deplatziert.
Die Schallplatte wurde veröffentlicht und verschwand dann. Lale Andersen wies die Annäherungsversuche eines hochrangigen SS-Offiziers zurück.
So wurden ihre Schallplatten verboten, sie wurde bedroht, ihr Name getilgt. Lili Marleen verstummte erneut, wurde geächtet und unternahm einen Selbstmordversuch.
Die Berliner Sängerin Lale Andersen sang das Lied mit einer Stimme, die gerade so viel zitterte, dass sie authentisch wirkte. Sie sang für die Abwesenden, für getrennte Liebende, für jene, die in der Nacht auf das Licht warteten. Doch 1938 wollte Deutschland keine Zärtlichkeit mehr. Es wollte stolz, hart, unbesiegbar sein. Dieses Liebeslied wirkte deplatziert.
Die Schallplatte wurde veröffentlicht und verschwand dann. Lale Andersen wies die Annäherungsversuche eines hochrangigen SS-Offiziers zurück.
So wurden ihre Schallplatten verboten, sie wurde bedroht, ihr Name getilgt. Lili Marleen verstummte erneut, wurde geächtet und unternahm einen Selbstmordversuch.
Bis eines Abends im Jahr 1941 in einem von Berlin unabhängigen deutschen Militärradiosender in Belgrad ein Techniker nach einer Schallplatte suchte, um das Ende einer Sendung zu füllen. Zufällig zog er eine alte Schellackplatte aus dem Stapel: Lili Marleen.
Er setzte die Nadel auf … und Lili Andersens Stimme erklang in der Nacht. Klar, melancholisch, durchdrungen von einem Hauch Nostalgie.
Ein Soldat, eine Laterne, ein Moment des Wartens.
Nicht mehr.
Doch alles war da. Die deutschen Soldaten, verstreut über die afrikanischen Fronten, lauschten, bewegt und still.
In dieser Stimme erkannten sie ihre eigenen Gedanken. Nach und nach wurde Lili Marleen ihre Begleiterin in der Einsamkeit. Jeden Abend beendete Radio Belgrad seine Sendungen mit diesem Lied und erinnerte alle daran, dass jenseits des Krieges vielleicht irgendwo jemand auf sie wartete.
Doch das Erstaunlichste ist, dass auch der Feind zuhört. Britische Soldaten, stationiert in der Wüste, nehmen diese Stimme ebenfalls wahr. Sie verstehen nicht alle Worte, aber sie erfassen ihre Zärtlichkeit und nehmen sie sich zu eigen.
So hören an allen Südfronten beide Seiten dasselbe Lied,
zur selben Zeit, unter demselben Mond. Jeden Abend um 21:57 Uhr erklingt Lili Marleen.
Und in den Schützengräben, den Unterständen, den Dünen hält der Krieg für einen Moment inne.
Ein Hauch von Menschlichkeit weht.
Er setzte die Nadel auf … und Lili Andersens Stimme erklang in der Nacht. Klar, melancholisch, durchdrungen von einem Hauch Nostalgie.
Ein Soldat, eine Laterne, ein Moment des Wartens.
Nicht mehr.
Doch alles war da. Die deutschen Soldaten, verstreut über die afrikanischen Fronten, lauschten, bewegt und still.
In dieser Stimme erkannten sie ihre eigenen Gedanken. Nach und nach wurde Lili Marleen ihre Begleiterin in der Einsamkeit. Jeden Abend beendete Radio Belgrad seine Sendungen mit diesem Lied und erinnerte alle daran, dass jenseits des Krieges vielleicht irgendwo jemand auf sie wartete.
Doch das Erstaunlichste ist, dass auch der Feind zuhört. Britische Soldaten, stationiert in der Wüste, nehmen diese Stimme ebenfalls wahr. Sie verstehen nicht alle Worte, aber sie erfassen ihre Zärtlichkeit und nehmen sie sich zu eigen.
So hören an allen Südfronten beide Seiten dasselbe Lied,
zur selben Zeit, unter demselben Mond. Jeden Abend um 21:57 Uhr erklingt Lili Marleen.
Und in den Schützengräben, den Unterständen, den Dünen hält der Krieg für einen Moment inne.
Ein Hauch von Menschlichkeit weht.
Es ist kein deutsches Lied mehr. Nicht einmal ein Kriegslied.
Es ist das Lied der Menschen. Für die Deutschen singt Lale Andersen, eine Überlebende einer zerbrochenen Ära, es weiter.
Sie bewahrt dieses flackernde Licht, wie die Flamme einer Laterne, die vom Wind hin und her geworfen wird.
Und jedes Mal, wenn sie Lili Marleen flüstert, spürt man den Hauch einer Zeit, in der selbst kriegsgebeutelte Herzen noch weinen konnten. Für die Alliierten sang Marlene Dietrich, zurückgekehrt aus dem Exil, es ihrerseits als Symbol wiederentdeckter Menschlichkeit.
Es ist das Lied der Menschen. Für die Deutschen singt Lale Andersen, eine Überlebende einer zerbrochenen Ära, es weiter.
Sie bewahrt dieses flackernde Licht, wie die Flamme einer Laterne, die vom Wind hin und her geworfen wird.
Und jedes Mal, wenn sie Lili Marleen flüstert, spürt man den Hauch einer Zeit, in der selbst kriegsgebeutelte Herzen noch weinen konnten. Für die Alliierten sang Marlene Dietrich, zurückgekehrt aus dem Exil, es ihrerseits als Symbol wiederentdeckter Menschlichkeit.
Es wurde übersetzt, gecovert und geliebt. Auf Englisch, Französisch und Italienisch.
Ironischerweise marschierten die Alliierten in Deutschland ein und summten „Lili Marleen“ (nicht Marleen) als Siegeshymne.
Dann verstummten die Kanonen, die Flaggen wurden gewechselt, doch das Lied blieb.
Es überwand Grenzen, Sprachen und Wunden. Es wurde zur universellen Stimme der Zärtlichkeit im Herzen des Grauens.
Ironischerweise marschierten die Alliierten in Deutschland ein und summten „Lili Marleen“ (nicht Marleen) als Siegeshymne.
Dann verstummten die Kanonen, die Flaggen wurden gewechselt, doch das Lied blieb.
Es überwand Grenzen, Sprachen und Wunden. Es wurde zur universellen Stimme der Zärtlichkeit im Herzen des Grauens.
Selbst heute noch, wenn wir „Lili Marleen“ hören, hören wir mehr als nur ein Lied.
Wir hören das Echo einer Welt, die gelitten hat, aber die nicht verlernt hatte zu lieben. Wir können uns vorstellen, wie unter der Laterne, auf dem nassen Kopfsteinpflaster, wartet der Schatten einer Frau.
Und in diesem zerbrechlichen und doch ewigen Bild leuchtet, was Kriege niemals auslöschen konnten: die Menschlichkeit.
So endet die Geschichte von Lili Marleen, geboren aus einem Abschiedsgedicht, das zur Stimme beider Seiten wurde und weit mehr als das Lied all der Herzen, die hoffen, einander eines Abends wiederzufinden,
im Schein einer Laterne.
* Hans Leip (1893–1983) schrieb den Text zu diesem Gedicht, bevor er im April 1915 an die russische Front ging. Dort wurde er als Kadett (zwei Meter groß) der Kaiserlichen Garde in die Coccinelles-Kaserne in Berlin versetzt. Nachdem er von einer Brücke gestürzt war und sich einen Wirbel gebrochen hatte, wurde er im Dezember 1915 demobilisiert. Er veröffentlichte sein Gedicht erst 1937, nachdem er sich in der Zwischenzeit der Volkskunst (Poesie und Literatur) gewidmet hatte.
Lale Andersen (1905–1972).
Norbert Schultze (1911–2002)
3 Videos
Lale Andersen (Originalfassung, 1938) – https://www.youtube.com/watch?v=Qk2ge4H-o5g
Marlene Dietrich – https://www.youtube.com/watch?v=xz5GtOprh9E
Marie Laforêt (1972) – https://www.youtube.com/watch?v=Qk2ge4H-o5g
Wir hören das Echo einer Welt, die gelitten hat, aber die nicht verlernt hatte zu lieben. Wir können uns vorstellen, wie unter der Laterne, auf dem nassen Kopfsteinpflaster, wartet der Schatten einer Frau.
Und in diesem zerbrechlichen und doch ewigen Bild leuchtet, was Kriege niemals auslöschen konnten: die Menschlichkeit.
So endet die Geschichte von Lili Marleen, geboren aus einem Abschiedsgedicht, das zur Stimme beider Seiten wurde und weit mehr als das Lied all der Herzen, die hoffen, einander eines Abends wiederzufinden,
im Schein einer Laterne.
* Hans Leip (1893–1983) schrieb den Text zu diesem Gedicht, bevor er im April 1915 an die russische Front ging. Dort wurde er als Kadett (zwei Meter groß) der Kaiserlichen Garde in die Coccinelles-Kaserne in Berlin versetzt. Nachdem er von einer Brücke gestürzt war und sich einen Wirbel gebrochen hatte, wurde er im Dezember 1915 demobilisiert. Er veröffentlichte sein Gedicht erst 1937, nachdem er sich in der Zwischenzeit der Volkskunst (Poesie und Literatur) gewidmet hatte.
Lale Andersen (1905–1972).
Norbert Schultze (1911–2002)
3 Videos
Lale Andersen (Originalfassung, 1938) – https://www.youtube.com/watch?v=Qk2ge4H-o5g
Marlene Dietrich – https://www.youtube.com/watch?v=xz5GtOprh9E
Marie Laforêt (1972) – https://www.youtube.com/watch?v=Qk2ge4H-o5g